N

  Bauwerk-News

INTERVIEW MIT PETER BACHMANN

Das Sentinel Haus Institut (SHI) hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass die Gesundheit durch Bau, Modernisierung und Betrieb von Gebäuden nicht beeinträchtigt wird. Dafür hat das SHI auf wissenschaftlicher Grundlage Planungsprozesse, Baustoff- und Gebäudequalitäten definiert, die als vertragliche Grundlage zwischen Bauherren und Bauunternehmen/Handwerker dienen. Auch Bauwerk Parkett hat seine Produkte vom SHI überprüfen und zertifizieren lassen, um diese dann im «Bauverzeichnis Gesündere Gebäude» von SHI und TÜV Rheinland zu listen. Darüber haben wir im Interview mit Geschäftsführer Peter Bachmann gesprochen.

peterbachmann_shi

Wie kam es dazu, eine Zertifizierung für Bauprodukte und Gebäude zu entwickeln?
PB: Internationale Studien zeigen, dass Menschen durch den vermehrten Aufenthalt in Gebäuden erkranken. Einen massgeblichen Einfluss nehmen Bauprodukte, Möbel und Reinigungsmittel. Wir haben Konzepte und Standards entwickelt, die Planer und Bauherren dabei unterstützen, gesündere Gebäude zu bauen. Gleichzeitig ist der Markt der unterschiedlichen Baustofflabel sehr unübersichtlich. Wir arbeiten daran, dass Profis und Endkunden eine verlässliche und transparente Entscheidungsgrundlage bekommen.

Wie wurden die «Konzepte und Standards» entwickelt, die Sie heute zur Zertifizierung nutzen?
PB: In Kooperation mit vielen Experten aus meinem Netzwerk und in regelmässiger Abstimmung mit dem Umweltbundesamt.

Und was waren Ihre persönlichen Beweggründe, die Gründung solch eines Instituts anzustossen?
PB: Durch eine persönliche Betroffenheit mit Asthma ist die Bedeutung und Auswirkung von Luftqualität für mich direkt spürbar. Luft ist das wichtigste Lebensmittel für uns Menschen.

Gab es einen Moment, eine Begebenheit, die bei Ihnen die Initialzündung auslöste?
PB: Als ich Vater wurde, ist mir neben meiner eigenen Betroffenheit auch die zusätzliche Verantwortung für die Gesundheit meiner Familie bewusst geworden. Ich wollte, dass meine Kinder und auch andere Menschen in ihren Gebäuden nicht geschädigt werden.

Welche Herausforderungen und Hürden mussten Sie bei der Gründung und Etablierung von Sentinel Haus Institut meistern?
PB: Die meisten Menschen gehen von hohen Standards bei Baustoffen und Gebäuden aus, auch Bauprofis. Leider ist die gesundheitliche Qualität von Produkten und Gebäuden völlig unzureichend gesichert und dokumentiert. Neben der Überprüfung technischer Prozesse und Materialqualitäten ist die Aufklärung zum gesünderen Wohnen der Bewohner und Nutzer eine grosse Herausforderung.

Gab es auch Hürden bei der Akzeptanz vom Sentinel Haus Institut? Oder haben Sie von Anfang an mit bekannten Prüfstellen, wie dem TÜV, zusammengearbeitet?
PB: Grundsätzlich gibt es immer Widerstände gegen Veränderungen. Planer und Handwerker müssen bestimmte Gewohnheiten anpassen und Hersteller und Handel müssen strengere Qualitätskriterien integrieren. An unserer Seite stehen von Anfang an starke Prüforganisationen.

Was sind die wichtigsten Eckpunkte der SHI-Zertifizierung?
PB: Eine transparente vertragliche Vereinbarung zwischen den Vertragsparteien, die Berücksichtigung festgelegter Schadstoffwerte für die Raumluft als unser wichtigstes Lebensmittel in der Planung und Umsetzung der Gebäude und eine Qualitätskontrolle der Immobilie, um die gesundheitliche Sicherheit der Bewohner und Nutzer zu sichern. Wir orientieren uns hier eng an den Empfehlungen des Umweltbundesamtes und gehen teilweise sogar darüber hinaus.

Wie muss ich vorgehen, wenn ich als Privatperson mein Haus «gesünder» bauen und vom SHI zertifizieren lassen möchte?
PB: Entweder sucht man ein bereits qualifiziertes Unternehmen in unserem Portal «Bauverzeichnis Gesündere Gebäude» oder man vereinbart mit dem Baupartner eine Umsetzung nach den gesundheitlichen Standards von Sentinel Haus.

Beim SHI zertifizieren Sie nicht nur Gebäude, sondern auch einzelne Bauprodukte. Zum Beispiel das Parkett von Bauwerk. Was genau passiert im SHI, bis ein Parkettboden die SHI-Zertifizierung bekommt?
PB: Bauwerk muss regelmässig die Messung eines qualifizierten Instituts wie beispielsweise des Eco Instituts in Köln nachweisen. Wir prüfen und bewerten dann die Ergebnisse und geben das Produkt für die Listung im Bauverzeichnis frei.

Können Sie ein Beispiel geben, welche Werte dafür überprüft werden und grob umreissen, wie das funktioniert?
PB: Lösemittel und Formaldehyd werden im Standard betrachtet. Die Lösemittelbetrachtung setzt sich aus weit über hundert einzelnen Schadstoffen zusammen. Die Prüfung erfolgt nach einem normierten Verfahren in einer Prüfkammer.

Nach diesem Prozess kann ich davon ausgehen, dass ein Boden von Bauwerk immer wohngesund ist?
PB: Ja.

Worauf muss ich beim Verlegen des Parkettbodens achten?
PB: Wesentlich sind neben dem geprüften Bauwerk Parkett die korrekten, emissionsarmen Kleber und Behandlungsmittel. Auch eine falsche Verarbeitung und die Verwendung von schadstoffbelasteten Reinigungsmitteln können zu Problemen führen. Ideal ist es, wenn der Handwerker, der den Boden verlegt, für die «wohngesunde» Verarbeitung qualifiziert ist. Qualifizierte Handwerker findet man im «Bauverzeichnis Gesündere Gebäude».

Kann ich auch ein sanierungsbedürftiges Gebäude auf einen wohngesunden Stand bringen?
PB: Selbstverständlich. Zuerst sollte das Gebäude durch unsere Experten auf Altlasten geprüft werden. Gerade bei bestehenden Bodenaufbauten sollte man genau schauen, welche Materialien früher verarbeitet wurden und ob diese mit den heute verwendeten harmonieren. Eine Testfläche kann hier hilfreich sein. Auf dieser Grundlage erfolgen dann die Massnahmen und Schritte wie in einem Neubau zu einer gesünderen Immobilie nach Sentinel Haus Standard.

Ist eine solche Sanierung teurer als eine Standardsanierung?
PB: Die Analyse von Altlasten kostet selbstverständlich Geld. Jedoch ist eine frühe Schadstofferkennung viel günstiger als eine verspätete. Zudem kann eine verspätete Schadstofferkennung zu erheblichen Ärgernissen mit Bewohnern und Nutzern führen.

Welche zusätzlichen Massnahmen kann ich als Bewohner umsetzen, um eine bessere Raumluft zu erreichen?
PB: Regelmässig lüften, entweder mehrmals täglich von Hand oder mit einer guten Lüftungsanlage. Das senkt auch den CO2-Gehalt. Je nach Region eine Prüfung auf das natürliche radioaktive Edelgas Radon. Beim Kauf von Möbeln und Reinigungsmitteln auf entsprechende Schadstofflabel achten und unnötige Geruchsstoffe vermeiden. Ein wesentlicher Punkt ist die Reinigung. Zu scharfe und zu viele Reinigungsmittel, die dann auch noch heftig riechen, schaden der Gesundheit und eventuell auch dem Parkett. In unserem Onlineportal sind dazu wertvolle Hinweise enthalten.

www.bauverzeichnis.gesündere-gebäude.de
www.sentinel-haus.eu

shi_logo_rgb

Start typing and press Enter to search